Freitag, 22. Februar 2008

African Nation Cup Final

Am Tag des African Nation Cup Finales waren alle Dorfbewohner aufgeregt, weil sie genau wie ich auch gerne das Spiel Kamerun-Egypten geschaut hätten. Wir hatten zwar einen Fernseher und Maya hatte am Tag vorher in Lichinga extra noch eine neue Antenne eingekauft, doch wir hatten keinen Empfang. Ich stellte den Fernseher zuerst überall bei uns am Strand auf aber konnte nie wirklich etwas empfangen.


Also entschlossen Alston unser Koch und ich in den Busch zu Fahren mit dem Auto, dem Fernseher, der Antenne und dem Generator um nach einem Ort mit Empfang zu suchen. Auf einer Erhöhung hatten wir freie Sicht auf Metangula und wir empfingen sogar einen Sender. Zwar war der Empfang immer noch relativ schlecht aber es war TV Malawi welches wir empfingen und wir waren sicher, dass das Spiel auf diesem Sender übertragen werden würde.
Die Nachricht verbreitete sich innert Sekunden zu sämtlichen Dorfbewohnern. Als wir um halb acht um die Kurve raus aus dem Dorf fuhren zum Standort wo wir Empfang hatten, standen schon alle dort. Das Auto parkierte ich auf den Hügel und den Fernseher stellten wir auf das Autodach. Und tatsächlich wurde das Spiel übertragen und der Empfang war gar nicht so schlecht. Die Dorfbewohner applaudierten laut und das Spiel konnte los gehen. Sicher Hundert Leute standen um unser Auto um auf dem wirklich kleinen Fernseher etwas vom Spiel mitzubekommen. Ich hatte den besten Platz ergattert aber konnte selber kaum etwas sehen. Aber die Stimmung war super und es war ein super Erlebnis für uns alle ;-)


Donnerstag, 21. Februar 2008

Schlangenbiss

Es war der zehnte Februar. Maya und ich telefonierten gerade mit Thomas in Maputo. Er sagte, dass er uns am nächsten Tag das Schlangenantiserum per Flugpost nach Lichinga schicken würde, falls die Strassenschlachten wegen einer Erhöhung der Benzinpreise in Maputo aufhören. Vom elften Februar also wären wir für den Ernstfall eines Schlangenbiss auch von den giftigsten Schlangen bereit gewesen. Leider war genau dieser Tag einer zu viel.
Kurz vor der Mittagspause kam einer der Abrbeiter angerannt und sagte, dass ein Mitabrbeiter der Farmgruppe von einer Schlange gebissen wurde. Maya und ich haben das Szenarion eines Schlangenbisses schon oft diskutiert und und geübt. Wir haben auch sämtliche notwendigen Informationen über Schlangebisse zusammengefasst und die Erste-Hilfe-Massnahmen waren uns klar, je nach Schlangenbiss. Maya richtete sofort alles für den Transport in die Krankenstation nach Metangula (Bandage zum Abbinden, Beatmungsgerät, Schlangebücher zur Identifikation der Schlange, unsere Blätter mit den Infos zu den Symptomen der verschiedenen Schlangenbisse...). Ich rannte in den Garten um den Arbeitern zu sagen, dass wir die Schlange umbedingt brauchen zur Identifikation. Die Identifikation einer Schlange ist eigentlich das wichtigste. Es gibt bei uns etwa fünf tödliche Schlangenarten. Diese haben zwei verschiedene Giftarten. Die Nonspitting Cobras und die Puff Adder haben ein Cytotoxisches Gift welches zu kontinuielichem Anschwellen von der Bissstelle hin zum Herz führt. Das Gewebe stirbt ab und ein Biss kann tödlich sein wenn die Schwellung innert weniger Stunden den Atemweg versperrt. In so einem Fall dürfte man niemals abbinden sondern müsste im Gegenteil versuchen das Gift durch Bewegung im Körper zu verteilen. Dann gibt es bei uns die Schwarze und die Grüne Mamba und Spitting Cobras welche Neurotoxisches Gift haben. Im falle eines solchen Bisses hätten wir sofort abbinden müssen um das Gift möglichst lokal am Ort der Bisstelle zu halten. Ein Biss einer Schwarzen Mamba kann schon nach einer halben Stunde tödlich sein.
Die Schlange hatten sie zum Glück schon getötet und brachten sie zum Auto. Sie war nur rund 20 cm lang, ich konnte sie also gut in einer Box mitnehmen. Der Arbeiter wurde in den Finger gebissen und es war keine Schwellung zu sehen also banden wir seinen Oberarm ab und fuhren los nach Metangula. Maya raste und ich versuchte die Schlange mit den Schlagenbüchern zu identifizieren. Es stellte sich als sehr schwierig heraus, da Schlangen einer Art selber ganz verschiedene Farben und Muster haben können. Unsere Schlange war metall grau bis scharz, so dass zuerst die Schwarze Mamba sehr möglich war. Ich las dann jedoch, dass junge Schwarze Mambas zwischen 50 und 60 cm lang sind und konnte dies somit ausschliessen. Der Schlangenexperte in Süd Afrika welcher unsere Kontaktperson ist in solchen Fällen ging nicht an sein Telefon. Wir konnten also nichts machen als weiterfahren. Der Abreiter war guter Laune und genoss die Fahrt... sie sind wirklich durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Die einzigen Schmerzen die er hatte kamen von der engen Bandage um seinen Oberarm. In Metangula dann gingen wir direkt ins Doktorzimmer und holten einen Assistenten da der Doktor selber wieder einmal nicht da war. Sie nahmen unseren Arbeiter auf und baten uns Rasierklingen kaufen zu gehen auf dem lokalen Markt. Obschon wir eigentlich in den Texten lasen, dass das Einschneiden von Schlangenbissen gefährlich und kontraproduktiv sei gingen wir die Klingen kaufen. Wir wollten jetzt nicht mehr im Weg stehen. Wir haben uns schon bei anderen Vorfällen dem Doktor widersetzt, was bisher immer dazu geführt hat, dass wir das Zimmer verlassen mussten. Mit den Klingen schnitten sie ihm dann tatsächlich den Finger auf und holten zwei Zähne raus. Und das war dann auch schon alles. Noch ein paar Aspirin dazu, Antibiotika hatten sie leider keines mehr und wir furhen wieder zurück. Es ist truarig aber wahr, dass wir in solchen Fällen schlicht machtlos sind. In der Station in Metangula haben sie nichts um Schlangenbisse zu behandeln und wir selber hatten das Serum noch nicht bei uns also konnten wir nichts mehr machen. Zum Glück ging es dem Arbeiter immer noch gut und man konnte davon ausgehen, dass es keine der fünf genannten hoch giftigen Schlangen gewesen sein kann.
Am Abend informierten wir uns noch einmal über seinen Zustand und man sagte uns es gehe ihm sehr gut, nur die Hand sei jetzt geschwollen. Dies war natürlich für uns ein Zeichen für einen Cytotoxischen Biss. Also riefen wir Thomas in Maputo an, dass er den Doktor in Süd Afrika anrufen solle mit den Angaben der Schlange und der Schwellung. Am Schluss stand dann fest, dass wenn der Arm nicht weiter anschwelle, es nichts ernstes ist. Wir tippten viel mehr auf eine anbahnende Blutvergiftung wegen des Beschneidens mit der Rasierklinge. Also brachten wir dem Arbeiter noch ein paar Antibiotika aus unserer Apotheke und gingen schlafen. Der Arm war über Nacht nicht weiter angeschwollen und das Thema ist somit abgehackt.
Jetzt haben wir für den Ernstfall das Serum gegen alle potentiell tödlichen Schlangenbisse.
Dieser Vorfall ist jedoch ein Einzelfall und mit Schlangen hat man bei uns sonst nichts zu tun. Man sollte durch diese Geschichte also nicht eingeschüchtert werden. Schlangen sind sehr scheue Tiere und flüchten vor Menschen. Seit mehrern Jahren gab es in Colongue keine Schlangenopfer und die Leute im Dorf geben wirklich nicht speiziell Acht. Bei einem Autounfall verletzt zu werden ist also immer noch viel wahrscheinlicher.

Dies war eine Woche mit drei Notfallfahrten nach Metangula, die Frau welche von einem Dach erschlagen wurde, die schwangere Frau und der Arbeiter mit dem Schlangenbiss. Das ist jedoch keine Ausnahme. Wir haben fast jede Woche einen Fall wo wir Notfallmässig Leute in die Krankenstation fahren. Zusätzlich kommen täglich im Durchschnit zwei bis drei Leute vorbei für Medikamente weil sie krank sind. Dies ist in der Regenzeit wo die Nahrung knapp ist sicher ein Fall der Unterernährung welches das Immunsystem der Menschen schwächt. Sie klagen oft über Bauch- und Kopfschmerzen und Durchfall. Vor allem Kleinkinder kommen oft mit Fieber und Hautauschlägen welche vielleicht auf die verstärkte Fehlernährung in dieser Zeit zurückzuführen ist.

Transport einer schwangeren Frau

Es war der vierte Februar, zwei Tage nachdem wir in Metangula feststeckten und die schwerverletzte Frau ins Spital brachten. Ich sass am Seeufer und bewunderte das Spektakel auf der anderen Seite des Sees. Über der ganzen Westküste des Sees (über Malawi) war ein grosses Gewittersystem. Der ganze Horizont war voller Blitze wie bei einem Feuerwerk. Maya war schon am schlafen. Es war elf Uhr nachts als drei Männer aus dem Dorf zu mir kamen und berichteten, dass die Frau von ihrem Freund wahrscheinlich diese Nacht ihr Kind bekommen wird. Um eine Hausgeburt möglichst zu vermeiden entschlossen Maya und ich die Frau zu besuchen um abzuschätzen ob sie wirklich hoch schwanger ist.
Als wir bei ihrem Haus ankamen sahen wir, dass sie kaum mehr stehen konnte und wir entschlossen, sie in in die Krankenstation in Metangula zu fahren. Wir nahmen zusätzlich zu ihrem Mann noch zwei weitere Frauen mit, für den Fall dass das Kind schon unterwegs auf die Welt kommen würde. Dies war nicht auszuschliessen, da die Fahrt 40 Minuten dauert und die Strasse kaum mehr passiebar ist. Durch die vielen Erschütterungen könnte sich die Geburt beschleunigen. Maya und ich waren wirklich nervös, denn wir hätten nicht gewusst wie wir vorgehen müssten, falls das Kind unterwegs auf die Welt kommen würde. Für die arme Frau muss die Fahrt ein Alptraum gewesen sein mit den ständigen Erschütterungen. Sie wurde auch zunehmends lauter und unruhiger, Maya raste und ich schaute alle zehn Sekunden auf die Uhr... Um Punkt Mitternacht trafen wir tatsächlich noch gerade rechtzeitig in der Station ein. Maya begleitete die Frau in die Gebärdenstation und ich holte einen Assistenten, der Ehemann stand untätig daneben und war mit dem ganzen entweder ziemlich überfordert oder es war ihm einfach nicht ganz so wichtig ;-)
Als alles organisiert war nahmen wir ihren Ehemann wieder zurück nach Colongue und gingen um halb Zwei schlafen. Am nächsten Tag beim morgenbriefing mit den Arbeitern um sechs Uhr, erfuhren wir, dass das Kind tatsächlich noch in der Nacht gesund auf die Wetl gekommen sei.

Metangula Brückenbruch und Schwerverletzte

Am zweiten Febraur furhen wir mit dem Auto nach Metangula um Nahrungsmittel einzukaufen. Noch wärhend dem wir einkaufen waren fing es wieder einmal an heftig zu regnen. Also mussten wir uns so schnell wie möglich auf den Rückweg machen, da die Strasse bei starken Niederschlägen oft überschwemmt wird. Doch wir waren schon zu spät. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Dorf war eine Brücke von den Wassermassen die von den Hügeln herunterkamen zusammengebrochen und vor uns Lag ein 30 Meter langer und mind. ein Meter Tiefer reissender Fluss. Viele passanten stand am Ufer vom Fluss. Einige versuchten den Fluss zu durchqueren doch er war zu tief und die Strömung zu stark. Wir waren also in Metangula eingesperrt und konnten nur hoffen, dass die Wassermassen im Verlaufe des nachmittags nachlassen würden.



Plötzlich kam von hinten eine Frau angerannt die uns berichtete, dass ihre Kollegin von einem eingebrochenem Dach getroffen wurde. Sofort machten wir uns auf den Weg zu der Frau. Sie bewusstlos und konnte sich kaum mehr bewegen. Mehrere Frauen trugen sie von ihrem Feld zu uns ins Auto. Wir fuhren so schnell und so vorsichtig zurück nach Metangula zur Krankenstation. Wie üblich war kein Arzt anwesend und die Gehilfen standen nur untätig herum aso luden wir sie auf eine Bare und Maya und ich machten uns auf den Weg zum Haus vom Doktor. Er war sogar zuhause, wollte jedoch zuerst noch etwas bequemeres anziehen, was mindestens zehn Minuten dauerte. Im Spital wurde die Frau dann vom Doktor untersucht. Sie hat ein Bein Gebrochen, die Hüfte gebrochen und vielleicht schwerere Rückenverletzungen erlitten. Der Doktor wollte sie noch über Nacht in der Station behalten um ihren Zustand zu überwachen und sie dann am nächsten Tag nach Lichinga zu fahren ins Spital wo sie auch Röntgenbilder machen können. Damit konnten wir nichts mehr weiter führ die Frau tun und fuhren zurück zum Fluss. Dieser war zwar zurückgegangen, hat aber mit der Strömung grosse Mengen an Material weggeschwemmt. Die ersten Leute versuchten dann mit ihren Rädern und ihren Koffern auf den Köpfen den Fluss zu durchqueren. Alle halfen einander so dass am Schluss alle heil auf der anderen Seite ankamen. Für uns war dies mit dem Auto nicht so einfach. Zuerst mussten wir Steine heranschleppen um das Loch welches durch die Erosion entstand wieder zu schliessen. Zum Glück ist man in solchen Fällen in Afrika nie alleine und mindestens 20 Leute halfen uns dabei. Als Maya dann bei der durchquerung des Flussbeets noch stecken blieb, rannten die Leute von überall her und schoben das Auto solange an bis wir sicher auf der anderen Seite ankamen. Als dankeschön durften die, die in unsere Richtung mussten mit uns mitfahren.



Was für ein Tag
(weitere Fotos findet ihr auf unserer Facebook Foto Page)

Der Fortschritt während unserer Abwesenheit

Jetzt sind wir seit drei Tagen zurück in Colongue und es scheint als hätten es unsere Vorarbeiter tatsächlich geschafft die Arbeiten voranzutreiben. Die gesteckten Ziele wurden die meisten zufriedenstellend erledigt und die Maschinen und Technischen Anlagen funktionieren immer noch einwandfrei. Ausser dass ein Baobabbaum in einem Sturm umgerissen wurde un fast unsere Latrine getroffen hat gibt es keine Probleme.

  • das erste Holzhaus für die Touristen ist fast fertig
  • drei der vier treatment houses stehen
  • in der Schule haben sie die Seitenmauern gebaut jetzt fehlt noch das Dach
  • sie haben die Strasse zu uns erhöht und repariert, da sie wegen dem vielen Regen sont unter Wasser stehen würde

alles in allem sicher eine sehr positive Überraschung. Die Fotos mit Bildern der Entwicklung in diesen drei Wochen könnt ihr über den Facebook link anschauen.

Fahrt Maputo-Colongue

Die fahrt von Maputo hoch an den See war sehr abenteurlich. Früh am Morgen gings los, Maya vollgepumpt mit Kafee und Red Bull und ich mit dem üblichen morgendlichen Kater. Die fahrt am ersten Tag sollte eigentlich von Maputo nach Vilankulos sein. Da wir etwas früher als erwartet dort ankamen entschlossen wir uns spontan weiterzufahren und die Strecke vom nächsten Tag, Vilankulos-Chimoio, noch am selben Tag hinter uns zu bringen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass wir uns in den Distanzen und in der Zeit ziemlich vertan hatten. Die Strasse wurde zu unserem Glück immer schlechter, am Horizont türmten sich gewaltige Gewitterwolken und die Sonne ging langsam unter. Leider gibt es zwischen Vilankulos und Chimoio auch keine alternative Raststelle, das Gebiet ist grössten Teils Buschland und komplett unbewohnt. Tatsächlich begann es dann auch zu regnen, so stark, dass wir zeitweise halten mussten weil man vom Wasser auf der Scheibe nichts mehr gesehen hat.


Nach weiteren vier Stunden Fahrt durch die Dunkelheit kamen wir dann endlich auf den Beira-Korridor von welchem es nur noch etwa 20 Minuten ist bis Chimoio. Um sieben Uhr morgens sind wir losgefahren und am Abend um elf sind wir angekommen. Es war eine doch sehr abenteuerliche Fahrt aber damit haben wir uns einen Tag gespart. Am nächsten Morgen gings wieder früh los. Die Strecke ging von Chimoio nach Malawi, irgendwo in Malawi würden wir dann übernachten jenachdem wie lange wir brauchen würden an der Grenze. Alles verlief planungsgemäss, wir konnten noch bei Sonnenlicht über die Grenze. Da es bald dunkel wurde und wir wieder durch hefitge Regenschauer fahren mussten, hielten wir im erst besten Hotel und entschieden uns die Nacht dort zu verbringen. Am nächsten Tag fuhren wir noch die letzte Strecke von Malawi nach Lichinga (Mozambique), wo wir noch die notwendigsten Sachen einkauften, und von Lichinga runter an den See. Wir wurden herzlichst begrüsst von der Dorfgemeinschaft und von hunderten von Kindern die im Chor "Maya, Maya, Maya" und "Uilo, Uilo, Uilo" schrien. Wir waren wieder zuhause ;-)






 
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