Donnerstag, 21. Februar 2008

Schlangenbiss

Es war der zehnte Februar. Maya und ich telefonierten gerade mit Thomas in Maputo. Er sagte, dass er uns am nächsten Tag das Schlangenantiserum per Flugpost nach Lichinga schicken würde, falls die Strassenschlachten wegen einer Erhöhung der Benzinpreise in Maputo aufhören. Vom elften Februar also wären wir für den Ernstfall eines Schlangenbiss auch von den giftigsten Schlangen bereit gewesen. Leider war genau dieser Tag einer zu viel.
Kurz vor der Mittagspause kam einer der Abrbeiter angerannt und sagte, dass ein Mitabrbeiter der Farmgruppe von einer Schlange gebissen wurde. Maya und ich haben das Szenarion eines Schlangenbisses schon oft diskutiert und und geübt. Wir haben auch sämtliche notwendigen Informationen über Schlangebisse zusammengefasst und die Erste-Hilfe-Massnahmen waren uns klar, je nach Schlangenbiss. Maya richtete sofort alles für den Transport in die Krankenstation nach Metangula (Bandage zum Abbinden, Beatmungsgerät, Schlangebücher zur Identifikation der Schlange, unsere Blätter mit den Infos zu den Symptomen der verschiedenen Schlangenbisse...). Ich rannte in den Garten um den Arbeitern zu sagen, dass wir die Schlange umbedingt brauchen zur Identifikation. Die Identifikation einer Schlange ist eigentlich das wichtigste. Es gibt bei uns etwa fünf tödliche Schlangenarten. Diese haben zwei verschiedene Giftarten. Die Nonspitting Cobras und die Puff Adder haben ein Cytotoxisches Gift welches zu kontinuielichem Anschwellen von der Bissstelle hin zum Herz führt. Das Gewebe stirbt ab und ein Biss kann tödlich sein wenn die Schwellung innert weniger Stunden den Atemweg versperrt. In so einem Fall dürfte man niemals abbinden sondern müsste im Gegenteil versuchen das Gift durch Bewegung im Körper zu verteilen. Dann gibt es bei uns die Schwarze und die Grüne Mamba und Spitting Cobras welche Neurotoxisches Gift haben. Im falle eines solchen Bisses hätten wir sofort abbinden müssen um das Gift möglichst lokal am Ort der Bisstelle zu halten. Ein Biss einer Schwarzen Mamba kann schon nach einer halben Stunde tödlich sein.
Die Schlange hatten sie zum Glück schon getötet und brachten sie zum Auto. Sie war nur rund 20 cm lang, ich konnte sie also gut in einer Box mitnehmen. Der Arbeiter wurde in den Finger gebissen und es war keine Schwellung zu sehen also banden wir seinen Oberarm ab und fuhren los nach Metangula. Maya raste und ich versuchte die Schlange mit den Schlagenbüchern zu identifizieren. Es stellte sich als sehr schwierig heraus, da Schlangen einer Art selber ganz verschiedene Farben und Muster haben können. Unsere Schlange war metall grau bis scharz, so dass zuerst die Schwarze Mamba sehr möglich war. Ich las dann jedoch, dass junge Schwarze Mambas zwischen 50 und 60 cm lang sind und konnte dies somit ausschliessen. Der Schlangenexperte in Süd Afrika welcher unsere Kontaktperson ist in solchen Fällen ging nicht an sein Telefon. Wir konnten also nichts machen als weiterfahren. Der Abreiter war guter Laune und genoss die Fahrt... sie sind wirklich durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Die einzigen Schmerzen die er hatte kamen von der engen Bandage um seinen Oberarm. In Metangula dann gingen wir direkt ins Doktorzimmer und holten einen Assistenten da der Doktor selber wieder einmal nicht da war. Sie nahmen unseren Arbeiter auf und baten uns Rasierklingen kaufen zu gehen auf dem lokalen Markt. Obschon wir eigentlich in den Texten lasen, dass das Einschneiden von Schlangenbissen gefährlich und kontraproduktiv sei gingen wir die Klingen kaufen. Wir wollten jetzt nicht mehr im Weg stehen. Wir haben uns schon bei anderen Vorfällen dem Doktor widersetzt, was bisher immer dazu geführt hat, dass wir das Zimmer verlassen mussten. Mit den Klingen schnitten sie ihm dann tatsächlich den Finger auf und holten zwei Zähne raus. Und das war dann auch schon alles. Noch ein paar Aspirin dazu, Antibiotika hatten sie leider keines mehr und wir furhen wieder zurück. Es ist truarig aber wahr, dass wir in solchen Fällen schlicht machtlos sind. In der Station in Metangula haben sie nichts um Schlangenbisse zu behandeln und wir selber hatten das Serum noch nicht bei uns also konnten wir nichts mehr machen. Zum Glück ging es dem Arbeiter immer noch gut und man konnte davon ausgehen, dass es keine der fünf genannten hoch giftigen Schlangen gewesen sein kann.
Am Abend informierten wir uns noch einmal über seinen Zustand und man sagte uns es gehe ihm sehr gut, nur die Hand sei jetzt geschwollen. Dies war natürlich für uns ein Zeichen für einen Cytotoxischen Biss. Also riefen wir Thomas in Maputo an, dass er den Doktor in Süd Afrika anrufen solle mit den Angaben der Schlange und der Schwellung. Am Schluss stand dann fest, dass wenn der Arm nicht weiter anschwelle, es nichts ernstes ist. Wir tippten viel mehr auf eine anbahnende Blutvergiftung wegen des Beschneidens mit der Rasierklinge. Also brachten wir dem Arbeiter noch ein paar Antibiotika aus unserer Apotheke und gingen schlafen. Der Arm war über Nacht nicht weiter angeschwollen und das Thema ist somit abgehackt.
Jetzt haben wir für den Ernstfall das Serum gegen alle potentiell tödlichen Schlangenbisse.
Dieser Vorfall ist jedoch ein Einzelfall und mit Schlangen hat man bei uns sonst nichts zu tun. Man sollte durch diese Geschichte also nicht eingeschüchtert werden. Schlangen sind sehr scheue Tiere und flüchten vor Menschen. Seit mehrern Jahren gab es in Colongue keine Schlangenopfer und die Leute im Dorf geben wirklich nicht speiziell Acht. Bei einem Autounfall verletzt zu werden ist also immer noch viel wahrscheinlicher.

Dies war eine Woche mit drei Notfallfahrten nach Metangula, die Frau welche von einem Dach erschlagen wurde, die schwangere Frau und der Arbeiter mit dem Schlangenbiss. Das ist jedoch keine Ausnahme. Wir haben fast jede Woche einen Fall wo wir Notfallmässig Leute in die Krankenstation fahren. Zusätzlich kommen täglich im Durchschnit zwei bis drei Leute vorbei für Medikamente weil sie krank sind. Dies ist in der Regenzeit wo die Nahrung knapp ist sicher ein Fall der Unterernährung welches das Immunsystem der Menschen schwächt. Sie klagen oft über Bauch- und Kopfschmerzen und Durchfall. Vor allem Kleinkinder kommen oft mit Fieber und Hautauschlägen welche vielleicht auf die verstärkte Fehlernährung in dieser Zeit zurückzuführen ist.

 
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