Es war der vierte Februar, zwei Tage nachdem wir in Metangula feststeckten und die schwerverletzte Frau ins Spital brachten. Ich sass am Seeufer und bewunderte das Spektakel auf der anderen Seite des Sees. Über der ganzen Westküste des Sees (über Malawi) war ein grosses Gewittersystem. Der ganze Horizont war voller Blitze wie bei einem Feuerwerk. Maya war schon am schlafen. Es war elf Uhr nachts als drei Männer aus dem Dorf zu mir kamen und berichteten, dass die Frau von ihrem Freund wahrscheinlich diese Nacht ihr Kind bekommen wird. Um eine Hausgeburt möglichst zu vermeiden entschlossen Maya und ich die Frau zu besuchen um abzuschätzen ob sie wirklich hoch schwanger ist.
Als wir bei ihrem Haus ankamen sahen wir, dass sie kaum mehr stehen konnte und wir entschlossen, sie in in die Krankenstation in Metangula zu fahren. Wir nahmen zusätzlich zu ihrem Mann noch zwei weitere Frauen mit, für den Fall dass das Kind schon unterwegs auf die Welt kommen würde. Dies war nicht auszuschliessen, da die Fahrt 40 Minuten dauert und die Strasse kaum mehr passiebar ist. Durch die vielen Erschütterungen könnte sich die Geburt beschleunigen. Maya und ich waren wirklich nervös, denn wir hätten nicht gewusst wie wir vorgehen müssten, falls das Kind unterwegs auf die Welt kommen würde. Für die arme Frau muss die Fahrt ein Alptraum gewesen sein mit den ständigen Erschütterungen. Sie wurde auch zunehmends lauter und unruhiger, Maya raste und ich schaute alle zehn Sekunden auf die Uhr... Um Punkt Mitternacht trafen wir tatsächlich noch gerade rechtzeitig in der Station ein. Maya begleitete die Frau in die Gebärdenstation und ich holte einen Assistenten, der Ehemann stand untätig daneben und war mit dem ganzen entweder ziemlich überfordert oder es war ihm einfach nicht ganz so wichtig ;-)
Als alles organisiert war nahmen wir ihren Ehemann wieder zurück nach Colongue und gingen um halb Zwei schlafen. Am nächsten Tag beim morgenbriefing mit den Arbeitern um sechs Uhr, erfuhren wir, dass das Kind tatsächlich noch in der Nacht gesund auf die Wetl gekommen sei.
Donnerstag, 21. Februar 2008
Transport einer schwangeren Frau
Eingestellt von
Familie Litscher
um
23:30