Sonntag, 6. April 2008

Unser Chief

Damit er endlich Ruhe gibt, bauen wir dem Chief jetzt ein neues Haus, vorgesehen weit ausserhalb vom Dorf, wo seine Hütte steht und er seine kleine machamba (Garten) hat. Um nichts falsch zu machen, habe ich eine Versammlung mit ein paar Dorfälteren, unter anderem dem Chiefthronfolger und dessen Thronfolger, einberufen, um sie zu informieren. Da sind die Fetzen geflogen! Der Chief gehört ins Dorf zu den Leuten, damit er die Kontrolle hat und den Kontakt, und wir bringen ihm dann schon zu essen und überhaupt ...!

Jetzt ist aber allgemein bekannt, dass der Chief und sein jüngerer Bruder/Nachfolger aufs Ärgste zerstritten sind. Warum wollen sie ihn dann in der Nähe haben? Anyway, ich hab dann gesagt, dass wir am Montag anfangen zu bauen, und der Chief uns bis Sonntag abend mitteilen soll, wo.

Jetzt war er hier, hat sich für seinen bisherigen Standort entschieden und das Rätsel gelöst: Das Haus des Chiefs gehört jeweils dem acting Chief und ist somit nicht vererbbar innerhalb der Familie. Jetzt wollen seine Nachfolger nach seinem Tod natürlich nicht im Gjät draussen wohnen, und wollen drum das Haus im Dorf. Damit sie wieder versuchen können, ihn umzubringen wie auch schon, meint er und erzählt wild gestikulierend, wie letztes Jahr der Sohn seines Bruders ( dä Luciano, dä Siäch!) nachts reingeschlichen ist und schon das Messer erhoben hatte und seine Frau geschrien und sich dazwischengeworfen hat und Nachbarn gekommen sind und den Verbrecher gestellt und nach Metangula zur Polizei gebracht haben, und wie die gesagt haben, wenn er das nochmals macht, sperren sie ihn 10 Jahre ein, und das ist wahr, und das ganze Dorf weiss es, und ich kann bei der Schuleinweihung den Distriktadministrator fragen, jawoll!

Hudson kann vor Entsetzen kaum mehr übersetzen, und ich schlag dem Chief vor, dass wir dann jeweils unsere Gäste zu ihm schicken und er ihnen unter dem Mangobaum diese Geschichte und viele andere aus seinem Leben erzählen kann, von seiner Jugend und den Portugiesen und den Gefangenenlagern in Niassa und den vielen Jahren im Exil in Zambia. Vielleicht kommt mal einer, der’s aufschreibt.

Für den langen Heimweg offeriere ich ihm noch ein Glas Wasser. Aber er lacht nur: Wenn man 2 Tage nichts gegessen hat, tut kaltes Wasser furchtbar weh im Magen. Also nächstes mal Tee - man lernt nie aus!

 
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