Dienstag, 15. Juli 2008

Eine Fahrt nach Metangula


Für die anmeldung bei der sozialversicherung brauchen unsere Leute alle eine „Cedula“ zum beweisen, dass sie existieren. Auf der fahrt das übliche dorfgeschwätz – wer hat hunger und wer hat vorräte gehortet (Jito z.b.) und so und warum – jawoll warum – muss Azido mais in Metangula kaufen. Zerknirschrt meint er, seine frau sitze halt den ganzen tag rum, während Jito’s frau jeden tag zwei stunden zur machamba läuft und pflanzt und hackt und erntet. Auf meine anregung, er soll sich doch eine andere frau zulegen, meint er, sie würde ohne ihn leiden. Darum haben andere wahrscheinlich mehrere frauen – unser Stambuli hat 3 frauen und 16 kinder und ist erst 32. Dä siäch isch sooo zum chotze!

Nach der hälfte der fahrt: paffff, reifenpanne! Rad gewechselt, 100 m gefahren: paffff, reifenpanne! Iiiiiii, madam (Hudson). Die wollten mich allein dalassen und irgendwo hilfe holen. Da bin ich lieber auf den nächsten hügel gekraxelt für mobilempfang und hab dem bürgermeister von Metangula angerufen, er soll mal im sinne der mosambikanisch-schweizerischen zusammenarbeit seinen fahrer Willy mit einem ersatzrad vorbeischicken – was er auch prompt gemacht hat. Mer sind halt öpper!

Während unsere leute ihre papiere machten, wurden unter einem strohdach am strassenrand unsere reifen geflickt – mit gummiresten, uhukleber und velopumpe. Hat gute zwei stunden gedauert. Währenddessen hab ich zum dank den bürgermeister auf ein fanta im neuesten restaurant von Metangula eingeladen und mir dabei ausführlichst erklären lassen, warum es absolut notwendig ist, dass die mozi-politiker mit polizeieskorten und blinklicht und mit 80 km/h durch die dörfer tätschen müssen – auch wenn mir das nicht passt. Das ist nämlich wegen der bösen renamo, die immer noch truppen tief draussen im wald hat, und überhaupt haben die mozis immer noch a guerra na cabeça. Er versteht nicht, warum ich das als schweizerin nicht verstehe. Manchmal verstehen wir einander nicht, aber aus psychologischer sicht haben wir wenigstens drüber gesprochen.


Dann hat er mir noch einen geologen aus maputo vorgestellt, der für die weltweit zweitgrösste mineralienabbaufirma (brasilianisch) in niassa ein paar dutzend millionen tonnen kohle (holzkohle) abbauen will und privat oberhalb metangula eine kleine lodge plant - der sonnenuntergang hat ihm den arm reingenommen – aber nicht am see unten wegen den möglichen tektonischen verschiebungen (grosser afrikanischer grabenbruch) und überschwemmungen und so. Scheint sehr langfristig zu planen!

Nachtrag: Der sympa geologe ist subito unser projekt inspizieren gekommen (wirtschafts-spionage) mit 5 geschäftskollegen, kravatte und so. Waren mächtig beeindruckt, aber erstaunt, warum wir so aufwändige septic tanks (abwassergruben) machen – das macht ja niemand! – wir sollen doch die ganze sch….. und p…. einfach in den sand laufen lassen. Soviel zur geologie! Ich hoffe nur, dass ihm für sein projekt auch eine 10'000 dollar umweltstudie aufgebrummt wird – aber wahrscheinlich hat er beziehungen!

Wir sind uns einig, dass wir uns grossartig ergänzen werden – eine knappe stunde fahrzeit voneinander entfernt: Wenn unsere gäste party wollen, können sie zu ihm gehen, und wenn seine juppies ruhe wollen, sollen sie bloss nicht zu uns kommen. Strictly no day visitors!

 
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