Mittwoch, 25. März 2009

Artur

Artur ist noch so ein Portugiese von Format: Nennt mich Excellencia und ist der Besitzer und Starfotograf vom LAM Bordmagazin „Indico“. Kaum hatte ich bei bei seiner Firma „Africa Imagens“ in Lissabon anfragen lassen, ob er nicht mal eine kleine Reportage über Mbuna Bay machen wolle, rief er schon an “Wir kommen übermorgen“ – und hat uns damit in argen Stress versetzt. Da es zum Glück aber erst überübermorgen einen Flug von Maputo gab, hatten wir noch einen Tag mehr Zeit , um alles auf Hochglanz zu polieren.

Als ich überübermorgen am Flughafen Lichinga ankomme, steht Artur schon am VIP Ausgang – vollbepackt mit Kameras, Stativen und Tele- plus Weitwinkelobjektiven und an seiner Seite seine Freundin, die bildhübsche Isabel, Kommunikationsstudentin aus Maputo und 45 Jahre jünger als Artur.

Am See angekommen weiss ich bereits, dass Artur in seinem Leben viel gereist ist. Der Gute redet nur einmal pro Tag, und so erfährt man im Handumdrehen alles über sämtliche Formel 1 Grandprix der letzten 50 Jahre – mit Sieger und 2., 3., 4.- Platzierten. Des weiteren war er an allen Fussballweltmeisterschaften seit dem Wunder von Bern und an allen olympischen Spielen ausser Korea, hat mit dem portugiesischen Präsidenten in Singapur im Raffles logiert und findet analoges Fotografieren nach wie vor besser als digitales – vor allem in der Antarktis.

Vor der ersten Foto-Session gibt’s noch Mittagessen. Aber Artur hat nun mal nicht gern Gemüse und Salat schon gar nicht und genehmigt sich als Ersatz zwei dreifache Gintonic und eine Flasche Merlot. Jetzt ist er in Form und schleppt seine Kameras zum Strand, wo gerade ein paar Kinder am Fischen sind. Die lichtet er in allen möglichen Formationen und Positionen ab – jedes zweite Foto mit Isabel drauf – und belohnt sie dann mit 50 Meticais(!) für diese „harte Arbeit“. Nachher will er Kanus, mindestens drei! Agostinho rennt ins Dorf, und nach 10 Minuten kommen schon vier angerudert. Artur steigt auf einen Felsbrocken und kommandiert von dort seine Armada eine Stunde lang kreuz und quer in der Bucht herum – Isabel dezent auf einem Kanu unter die Ruderer gemischt. Der Batzen, den er den Fischern fürs Posieren verteilt, hat zur Folge, dass wir am nächsten Morgen endgültig wissen, wie viele Kanus es in Nkholongue gibt!

Zwei Tage mit Artur sind hart, vor allem, wenn man in sein Magazin will. Ich bin wirklich fix und fertig, als wir vor seinem Abflug noch schnell im Girassol Lichinga mittagessen, wo er zum Dessert noch den Rest des Rotweins in den Fruchtsalat leert und gleichzeitig in Tränen ausbricht, weil am Fernsehen gerade mitgeteilt wird, sein Freund, der Präsident von Guinea Bissau sei ermordet worden.

(Vor ein paar Tagen hat mir Artur drei capas mit drei verschiedenen Fotos von Kindern und Kanus zum Auslesen gemailt ………….. capa heisst soviel wie Frontseite, und „Indico“ Magazin hat eine Auflage von 30’000!)

 
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